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9.02.2001
"Arikalex"
Vorwärts in die Vergangenheit am Kontrollpunkt Dreilinden
Das Museum zeigt Miniaturen
sämtlicher Epochen
Tanja Buntrock
Ein eigenes, schnuckeliges Puppenhaus, davon hat Ulla
Klingbeil als kleines Mädchen geträumt. Aufgewachsen in Berlin-Kreuzberg
mit sechs Geschwistern, hatte sie als Kind nicht viel zum Spielen. Nur
eine Puppe, und die hat ihr Bruder auch noch kaputtgetreten.
Mittlerweile ist sie 56
Jahre und hat sich ihren Kindheitswunsch erfüllt, denn sie besitzt ein
eigenes Miniaturmuseum am ehemaligen Kontrollpunkt Dreilinden: "Arikalex"
- benannt nach den Vornamen ihrer Kinder Ariadne, Karsten und Alexandra.
Dort präsentiert sie 16 Miniaturhäuser im Maßstab 1:12. Die verschiedenen
Baustile vom Mittelalter bis zur Gegenwart sind dort originalgetreu
nachgebaut. "Vor allem für Schulklassen ist das interessant, denn hier
ist hautnah zu sehen, wie ein gotisches Haus gebaut ist", erklärt Ulla
Klingbeil. Um diesen "Lerneffekt" auch in der Bildungspolitik publik
zu machen, lud sie am Mittwoch Brandenburgs Bildungsminister Steffen
Reiche ein. Weil der Politiker aber verhindert war, kam Detlef David
vom pädagogischen Lehrinstitut Brandenburg.
Umgeben von sanften
Harfenklängen wandelte David durch den dunklen Raum und ließ sich vom
Anblick des Schlosses Sanssouci mit samt dem Schreibtisch von Friedrich
dem Großen und der filigranen Deckenbeleuchtung verzaubern. Auch der
"Palazzo Vendramin Calegi" aus der Renaissance-Zeit begeistert ihn.
Die oppulent gedeckte Speisetafel mit den güldenen Weinkelchen und Tellern
sowie das prall gefüllte Obstschälchen zeigen mehr als bunte Bildbände:
Geschichte zum Anfassen, im übertragenen Sinne, denn natürlich darf
hier nichts berührt werden. "Die Dinge hier sind sehr teuer", betont
Ulla Klingbeil. Deswegen mag sie das Wort "Puppenstube" in diesem Zusammenhang
nicht hören. "Das sind alles Kunstwerke". Durch aller Herren Länder
ist die Frau mit der Vorliebe für modische Hüte gereist, um die Möbel
für die Miniaturhäuser zusammenzutragen.
Mit dem Eintrittsgeld
unterstützt Ulla Klingbeil misshandelte Jugendliche. "Ich finanziere
die Miniaturen aus eigener Tasche, die Spenden fließen aber ausnahmslos
in die Jugendprojekte". Das Museum kann auch für Diners gemietet werden.
Die Gäste speisen dann genüsslich an der langen, mit rotem Samt bedeckten
Tafel. Als kürzlich der ägyptische und der amerikanische Botschafter
dort schmausten "war es so harmonisch, dass man meinen könnte, Israelis
und Palästine
nser würden sofort Frieden schließen, wenn sie hier säßen", sagt Ulla
Klingbeil voller Überzeugung.
Das Miniaturmuseum "Arikalex" befindet sich am ehemaligen
Kontrollpunkt Dreilinden und ist offiziell montags von 12 bis 16 Uhr
geöffnet. Mehr Information unter:
030 / 80 0 87 30.
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