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Berliner Illustrirte Zeitung Sonntag, 25. Februar 2001
 

Wie im richtigen Leben

Ihre Öfen sind aus Gusseisen, die Betten aus Elfenbein und die Vasen aus Murano-Glas: Die iniaturen von Sanssouci & Co. kopieren ihre Vorbilder bis ins kleinste Detail. Jetzt sind sie im Museum «Arikalex» in Kleinmachnow ausgestellt. Tobias Schneider (Fotos) und Christiane Meixner (Text) haben sich in den Zimmern umgesehen

Festlich Zwei Jahre lang saßen die Modellbauer Kevin Mulvany und Susan Roger aus London an der vier Meter langen Nachbildung von Schloss Sanssouci.
Foto: Tobias Schneider

Den Wedgwood-Sammelteller an der Wand würde jeder für Fliegendreck halten und in die Vase aus Murano passt nicht einmal ein Gänseblümchen. Dennoch bekommen Sammler feuchte Hände, wenn sie die beiden Gegenstände aus feinstem Porzellan und venezianischem Glas nur sehen: Es sind Miniaturen, noch dazu aus derselben Zeit, aus der auch die Originale stammen.

Puppenstuben haben Konjunktur. Häuser und Möbel aller Epochen sind jederzeit als Bausätze erhältlich. Ganz anders verhält es sich mit historischen Miniaturen. Sie waren einst als Kinderspielzeug gedacht und spiegeln heute die Wohn- und Lebenskultur vergangener Zeiten. Doch darüber hinaus sind die Möbel und anderen Einrichtungsgegenstände, die seit kurzem im Miniaturmuseum «Arikalex» in Kleinmachnow (geöffnet montags, 12-16 Uhr, und nach telefonischer Vereinbarung: 030/803 087 30) zu sehen sind, so aufwändig und liebevoll nachgebaut, dass sie auf den ersten Blick wie aus dem richtigen Leben wirken.

Die Begeisterung für die vergangenen Winzwelten hat Flohmärkte und Börsen leergeräumt. Inzwischen findet man die historischen Miniaturen in Museen oder Privatsammlungen - und manchmal als teures Stück auf Auktionen. «Arikalex» zeigt sechzehn Repliken im typischen Sammlermaß 1:12. Teils sind es alte Häuser aus dem 19. Jahrhundert, teils hat Museumschefin Ulla Klingbeil sie in London und St. Petersburg bei Modellbauern in Auftrag gegeben.

Neu ist etwa das Berliner Haus von 1900 aus Holz und Gips, vorn zum Aufklappen und gerade mal einen Meter hoch. Eingerichtet ist es nicht nur komplett im Stil der fünfziger Jahre: Das Interieur selbst stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

Mit vier Metern Länge das Größte unter den Miniaturen ist die Replik des Schlosses Sanssouci, mit teurem Material ausgestattet ist der venezianische Palazzo Vendramin: In seinem Rittersaal stehen Rüstungen aus reinem Silber. Ein ganzes Stück Stadt ahmt ein

gotischen Turm aus dem 14. Jahrhundert nach. An ihn schließt sich ein Stück Stadtmauer, und wer dahinter blickt, kann sich zurückversetzen lassen ins Mittelalter.

Ergänzt werden die Modelle durch Vitrinen, in denen Möbeln aus allen Epochen bis in die zwanziger Jahre die Veränderungen der Zeit nachzeichnen. Perfekt nach der jeweiligen Mode gekleidet sind zahlreiche Puppen, und wie die Möbel in den Häusern sind auch ihre Kostüme bis in die kleinste Perle nachgearbeitet.

All das ist das Ergebnis einer zwanzigjährigen Sammlerleidenschaft. Den weitaus größten Teil hat Ulla Klingbeil in langwieriger Kleinarbeit auf Messen, Auktionen und bei Antiquitätenhändlern zusammengesucht. Anfangs hat oft der Zufall eine Rolle gespielt. «Später», sagt sie, «erfuhr ich, dass es für jede Stilrichtung und jede Einzelheit wie Mobiliar oder Geschirr Handwerksspezialisten gibt.» Seitdem geht es ihr wie allen professionellen Sammlern: Für jedes Detail muss das Beste her. Und wenn sie mal keine authentischen

Stücke auftreiben kann, wendet sie sich an Modellbauer. Sie fertigen die Häuser und Möbel aus einer längst vergangenen Zeit nach Vorlagen an - denn die Einzelheiten sollen schon stimmen. Und so ist für den Laien nicht zu erkennen, was von damals stammt und was neu geschaffen wurde.

© Berliner Morgenpost 2001

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