BerlinOnline

Datum:   05.12.2001
Ressort:   Lokales
Autor:   Julia Schmidt

Das Bernsteinzimmer von Kleinmachnow

Arikalex-Museum Dreilinden zeigt historische Miniaturen - das Eintrittsgeld kommt misshandelten Kindern zugute

KLEINMACHNOW. Das legendäre Bernsteinzimmer, das einst den Katharinen-Palast bei St. Petersburg schmückte, ist als Miniatur wieder auferstanden. Im Maßstab 1:12 aus echtem Bernstein hergestellt, kann es ab 10. Dezember im Miniaturmuseum "Arikalex" auf dem Gelände des Europarcs Dreilinden in Kleinmachnow bewundert werden. Die sozial engagierte Berlinerin Ulla Klingbeil ließ das Kunstwerk, das der preußische König Friedrich I. einst für das Berliner Schloss anfertigen ließ, - originalgetreu verkleinert - für ihr Stilkundemuseum nachbauen. Ab sofort vervolkommnet das Modell des in den Kriegswirren von 1945 verschollenen Bernsteinzimmers nun die Ausstellung von Miniaturen aus dem 15. bis 20. Jahrhundert. Zu den dort gezeigten 15 anderen Repliken zählt auch Schloss Sanssouci.

"Die vielen Berichte über das verschwundene Kleinod hatten meine Neugier geweckt", sagte Ulla Klingbeil am Dienstag. Mit einem Bild des historischen Bernsteinzimmers machte sie sich auf die Suche nach Künstlern, die das Zimmer nachbauen könnten. Drei nach England emigrierte Russen halfen ihr. "Es war eine Hundsarbeit. Für alles brauchten sie eine Lupe", sagte die als Veranstalterin von Benefizveranstaltungen bekannt gewordene Millionärsgattin. Bernstein sei schwer zu verarbeiten, die einzelnen Teile seien mit Bienenwachs zusammengefügt.

Das in zweijähriger Arbeit fertiggestellte Kunstwerk, das ab 10. Dezember in Kleinmachnow betrachtet werden kann, zeigt das Bernsteinzimmer so, wie es 1716 im Katharinen-Palast bei St. Petersburg eingebaut wurde. Das 70 mal 70 Zentimeter große Modell wirkt fragil und filigran. Es zeigt originalgetreu die Bernstein-Paneele, den Intarsien-Holzfußboden, die aufwändigen Schnitzereien und die Leuchter an den Wänden und das Deckengemälde, eine Darstellung des Olymp. Verarbeitet wurde wie beim Original nur lupenreiner Bernstein aus der Region Kaliningrad, dem einstigen Königsberg.

Ulla Klingbeil schwört auf Bernstein. "Er schützt vor Krankheit und Leid, hat heilende und positive Kräfte." Mit der Miniatur erfüllte sie sich "einen kleinen Traum vom großen Original". Dass dieses noch immer existiert, dessen ist sie sich ganz sicher. "Wahrscheinlich liegt es irgendwo in einem versunkenen U-Boot in der Barentsee." Aber vielleicht sei diese Überzeugung nur Ausdruck ihrer "romantischen Verträumtheit". Nicht zuletzt deshalb besuchte Ulla Klingbeil kürzlich den Katharinen-Palast. Dort wird seit vielen Jahren an einem Nachbau des Bernsteinzimmers in Originalgröße gearbeitet. Zum 300. Gründungsjahr von St. Petersburg im Mai 2003 soll es fertig sein.

Seit 20 Jahren sammelt die in Kreuzberg aufgewachsene Ulla Klingbeil Miniaturen. Seit Anfang des Jahres sind ihre Schätze im "Arikalex" auf dem Gelände des Europarcs Dreilinden zu sehen - und das für einen guten Zweck. Die Erlöse des Museums - Eintritt gegen eine Mindestspende von zehn Mark - fließen dem Arikalex-Verein zu, der soziale Projekte zugunsten misshandelter Kinder finanziert. "Unsere Spenden kommen immer an, jeder kann sich davon überzeugen", sagte sie. Derzeit finanziert der Verein einen Sportplatz für ein Ferienheim in Groß Pinnow sowie ein Projekt im Potsdamer Oberlinhaus. Für die dort lebenden taub-blinden Kinder werden 30 Tier-Bronzefiguren beschafft. Zusätzliche Spenden für soziale Projekte sollen auch kulturelle Veranstaltungen einbringen, die inmitten der Miniaturenschau stattfinden. So liest am 17. Dezember um 19 Uhr der Schauspieler Peer Schmidt "Die dreizehn Monate" von Erich Kästner.

Achtes Weltwunder // Das barocke Bernsteinzimmer wurde 1701 von Preußenkönig Friedrich I. in Auftrag gegeben.

Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. schenkte es 1716 dem russischen Zaren Peter I. , der ihm dafür 55 Soldaten für seine Langen Kerls vermachte.

Im Katharinenpalast, der Sommerresidenz des Zaren bei St. Petersburg, wurde das Zimmer eingebaut und erweitert.

Die deutsche Wehrmacht raubte das Bernsteinzimmer 1941, brachte es nach Königsberg. 1945 verliert sich seine Spur in den Kriegswirren.

Das verschollene Kunstwerk, oft das "achte Weltwunder" genannt, wird weltweit gesucht - ohne Erfolg.

Miniaturmuseum ARIKALEX, Europarc Dreilinden, Heinrich-Hertz-Straße 3f, montags 12-16 Uhr, (außer 24. /31. 12. ) und am 5. , 6. , 7. Jan. Voranmeldung: 033203/50 82 11 BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Das Bernsteinzimmer en miniature stellt die Berlinerin Ulla Klingbeil in ihrem Miniaturmusem "Arikalex" aus.

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